150-jähriges Gründungsjubiläum des ZithaVereins

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1872 – 2022

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann die Stadt Luxemburg, nach dem Schleifen der dicken Festungsmauern (1867-1883), offener und städtischer zu werden. Das lockte die Jugend aus den Dörfern an. Die Industrialisierung begann: junge Männer und Frauen lösten sich aus den festen Familienstrukturen der ländlichen Bevölkerung und suchten Arbeit in der Stadt. Viele unerfahrene junge Frauen vom Land kamen, um als Dienstmädchen in den Häusern der reichen Familien zu arbeiten. Dieses neue Leben war ihnen völlig fremd. Bildung oder eine berufliche Ausbildung war für Mädchen und Frauen noch nicht selbstverständlich. Sie waren schutzlos der Willkür ihrer Herrschaft ausgeliefert, ohne soziale Absicherung im Fall von Arbeitslosigkeit und Krankheit sowie später im Alter. Nicolas Wies, Priester, Seelsorger und Professor in Luxemburg, machte diese Situation große Sorgen.

Ganz ähnlich dachten auch Anna Bové und Luzia Niederprüm, zwei junge Frauen, deren geistlicher Begleiter Professor Wies war. Sie sprachen mit ihm über die Not der Dienstmädchen und suchten gemeinsam eine Lösung. So kam es am 28. März 1872 zur Gründung des „Vereins der hl. Zita für christliche Dienstmägde“. Zita, die 1218 in der Toskana in der Nähe von Lucca geboren wurde, war 48 Jahre lang, bis zu ihrem Tod 1278 im Dienst der reichen Familie Fatinelli. Schon kurz nach ihrem Tod wurde sie weit über Lucca hinaus als Heilige verehrt und 1696 heiliggesprochen. Die Gründe, warum Professor Wies, Anna Bové und Luzia Niederpüm im Jahr 1872 ihren Verein nach ihr benannten sind uns nicht überliefert. Erst am 11. März 1955 erhob Papst Pius XII die Heilige Zita zur Schutzheiligen der Dienstboten und Hausangestellten.

Nach der Gründung des Vereins machten sich Anna Bové und Luzia Niederprüm sofort an die Arbeit und mieteten ein kleines Haus in der Beckstrasse, um dort ein Heim für die Dienstmädchen der Stadt einzurichten.

Aufgabe des Vereins war es, arbeitslosen Dienstmädchen eine Arbeit zu vermitteln und sie im Krankheitsfall 10 Tage lang unentgeltlich zu pflegen. Wollte ein Mitglied länger im Vereinshaus bleiben, so hatte es dem Verein täglich einen Franken für Kost und Logis zu zahlen. Bedingung für die Dienstmädchen war es ein religiös-sittliches Leben zu führen und sonn- und feiertags die hl. Messe zu besuchen. Jeden Sonntag trafen sich die Mädchen außerdem zum gemütlichen Beisammensein im Vereinshaus.

Die Statuten und Strukturen legten das Vereinsleben fest. Es gab Mitglieder und Schutzmitglieder. Mitglied konnte jedes Dienstmädchen werden, das sich an die Statuten halten wollte. Als Aufnahmegebühr wurden 3 Franken bezahlt, sowie anschließend ein monatlicher Beitrag von 30 Centimes.

Schutzmitglied konnte jeder werden, entweder durch die einmalige Zahlung von 100 Franken oder mit einem jährlichen Beitrag von wenigstens 5 Franken.

Das erste Schutzmitglied war Nicolas Adames, der erste Bischof der erst zwei Jahre vorher gegründeten Diözese Luxemburg. Im Laufe des ersten Vereinsjahres traten 113 Mitglieder ein und es konnten 30 Schutzmitglieder gewonnen werden. Aber am Ende des Jahres überwogen die Ausgaben die Einnahmen um mehr als das Doppelte. Der Verein gewann schnell weitere Mitglieder hinzu, am Ende des dritten Vereinsjahres waren es schon 177 und auch die Zahl der Schutzmitglieder stieg auf 54. Dennoch wogen die Einnahmen die Ausgaben des Vereins nicht auf und so weist der Jahresbericht des dritten Vereinsjahres ein Defizit von 11.626,44 Franken aus. Das war ein enormer Betrag für die damalige Zeit und Hinweis darauf, wie schwierig und entbehrungsreich die ersten Jahre waren.

Aber die GründerInnen ließen sich weder beirren noch entmutigen. Bald war nicht mehr genug Platz im kleinen Haus an der Beckstrasse für alle schutzsuchenden Mädchen. Der Verein suchte nach größeren Räumlichkeiten und fand fürs erste ein Haus in der Philippsgasse.

Um die Zukunft des Vereins zu sichern, wurde 1875 die Kongregation der ZitaSchwestern gegründet und es folgte der Umzug in die heutige ZithaStrasse im Bahnhofsviertel der Stadt Luxemburg.

Dem aufmerksamen Leser ist vielleicht aufgefallen, dass es heute ZithaSchwestern oder auch ZithaGruppe heißt. Das „h“ in Zitha stammt aus der französischen Schreibweise „Ste Zithe“.

Alle Werke der ZithaSchwestern haben ihren Ursprung im ZithaVerein. Noch 1977 betrieben die Schwestern eine Arbeitsvermittlung für junge Frauen. Aus dem Jahresbericht des Vereins von 1977 geht hervor, dass 2046 Anfragen für einen Arbeitsplatz gestellt wurden, denen 796 Angebote gegenüberstanden. Um den Frauen und ihren Familien, denen man keinen Platz vermitteln konnte, trotzdem helfen zu können, wurden hunderte Pakete mit Kleidungsstücken oder Nahrungsmitteln unter ihnen verteilt.

Das Angebot des Vereins seine Mitglieder in Krankheit zu pflegen, weiteten die Schwestern nach ihrem Umzug ins Bahnhofsviertel aus und boten eine ambulante Krankenpflege in ihrer Nachbarschaft an, vergleichbar mit ZithaMobil heute.

Da der ZithaVerein seine Tätigkeit nach dem Einmarsch der deutschen Truppen am 2. August 1914 vorübergehend vollständig einstellen musste, stellten die Schwestern die leerstehenden Räumlichkeiten der „Rote-Kreuz-Gesellschaft“ zur Verfügung, die dort eine Sanitätsstation mit 50 Betten einrichtete. Die Kongregation hatte zu dem Zeitpunkt schon mehrere Filialen im Land, und die Generaloberin ließ die besten Krankenschwestern aus allen Filialen in die Stadt kommen. Aus dieser Sanitätsstation wurde die „Interkommunale Sanitätswache“. Sie wurde am 7. Dezember 1918 aufgelöst. Auf Drängen der Ärzte reichte die damals amtierende Generaloberin Mutter Paula Lentz ein Gesuch zur Eröffnung eines Krankenhauses im ZithaKloster bei der Regierung ein, was umgehend provisorisch genehmigt wurde. Dies war der Grundstein für die heutige ZithaKlinik. Der ZithaVerein nahm seine Arbeit eingeschränkt am 1. Januar 1915 wieder auf.

Das Angebot, den Mitgliedern des Vereins im Alter eine Bleibe anzubieten, konnte im neuen Gebäude im Bahnhofsviertel umgesetzt werden, und im Jahr 1893 konnten bereits 9 Pensionärinnen aufgenommen werden. Später wurden neben den Dienstmädchen auch andere alleinstehende Damen aufgenommen, und schließlich entwickelten sich daraus die heutigen Seniorien der ZithaGruppe.

Das 100-jährige Gründungsjubiläum der Kongregation im Jahr 1975 nahmen die ZithaSchwestern zum Anlass, im Sinn des Aggiornamento des 2. Vatikanischen Konzils – also der Aufforderung das Geheimnis der Kirche in der Gegenwart sichtbar zu machen – ihr Angebot für Frauen an die Bedürfnisse der Gegenwart anzupassen. Es waren nicht mehr Dienstmädchen, also hauswirtschaftliches Personal, das Hilfe benötigte, sondern ganz allgemein Frauen in Notsituationen: von Gewalt betroffene Frauen, Schwangere und Alleinerziehende. Die Kongregation der ZithaSchwestern sah die Not und gründete das erste luxemburgische Frauenhaus, das Foyer Paula Bové, das bis heute jungen Frauen und Müttern mit ihren Kindern Schutz und Unterstützung bietet.

Die Einführung der allgemeinen Kranken-und Rentenversicherung, die staatliche Arbeitslosenversicherung und die Arbeitsgesetzgebung verbesserten die Lage aller ArbeitnehmerInnen deutlich, so dass der ZithaVerein nach und nach sein Angebot einstellte. Im Mutterhaus der Kongregation fanden aber noch bis 2006 die sonntäglichen Treffen der letzten Mitglieder des ZithaVereins statt.

Auch wenn der ZithaVerein im Jahr des 150jährigen Jubiläums seiner Gründung nicht mehr besteht, so sind die Werte seiner GründerInnen doch fest verankert in den Institutionen und Organisationen, die aus ihrer Gründungsidee hervorgegangen sind.

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